Hier eine Sammlung von Themen und Fragen, denen man im Berufsalltag immer wieder begegnet…

 

Was soll der ganze Aufwand, Design ist doch eh Geschmackssache!

Ein gutes Corporate Design sitzt wie ein meisterhaft gearbeiteter Maßanzug. Der Unterschied zwischen einem Anzug von der Stange und einem maßgeschneidertem Anzug ist nicht nur der zwischen Mode und Stil, zwischen »kann-man-tragen« und »passt-perfekt!« sondern auch der zwischen Austauschbarkeit und Einzigartigkeit, zwischen Kompromiss und Qualität.
Jeder hat seine Vorlieben, lieber blau als braun, lieber bequem als körpernah. Ein qualifizierter Schneidermeister orientiert sich aber nicht nur am Geschmack seines Kunden, sondern vor allem an fachspezifischen Qualitätskriterien, die an der Person und Persönlichkeit des Kunden individuell abgestimmt werden. Der Meister weiß genau, zu welchem Anlass welcher Stoff in welchem Schnitt besonders gut harmonisiert. Er sieht mit einem Blick, wo genau die Schulternaht verlaufen muss, damit sich keine Falten am Rücken bilden, er weiß, dass körpernah und bequem kein Widerspruch sind.
Qualität ist eben keine Geschmackssache.
Beim Beispiel Anzug ist im schlimmsten Fall eine Person unvorteilhaft gekleidet.
Beim Corporate Design zeigt sich ein ganzes Unternehmen unvorteilhaft in der öffentlichen Wahrnehmung.

 

Die neue Website soll umwerfend beeindruckend werden, morgen fertig sein und darf nichts kosten, geht das?

Wer ein Projekt umsetzen möchte, sollte sich über die Erwartungen an die Durchführung im Klaren sein. Welcher dieser drei Eckpunkte ist am wichtigsten: Qualität, Zeit oder Kosten, also gut, schnell oder billig? In der Regel können nur zwei der drei Punkte erfüllt werden:

SCHNELL: Wer in kurzer Zeit einen Auftrag umsetzt und gute Qualität liefert, muss andere Kunden mit ihren Aufträgen zurückstellen oder absagen, das kostet Geld. Oder er bearbeitet mehrere Aufträge parallel, dann fehlt die Zeit für herausragende Qualität.

BILLIG: Wer dauerhaft günstig arbeitet, muss entweder Abstriche in der Qualität oder in der Geschwindigkeit machen. Das ist die problematischste Variante, weil beide Seiten – Auftraggeber und Designer – unzufrieden sein werden. Der eine muss entweder sehr lange warten oder bekommt unpassende Leistungen, der andere muss unter seinen Fähigkeiten und unter dem adäquaten Anspruch agieren.

GUT: Wer herausragende Designqualität leistet, benötigt für den höheren Aufwand entweder mehr Zeit oder mehr Geld, weil parallel laufende Aufträge abgesagt werden müssen. Erstrebenswert: Diese qualitätsorientierte Variante ist die nachhaltigste, weil sie das beste, also individuell passendste Ergebnis liefert.

Projektdreieck

 

 

Wie berechnen Sie denn Ihren Stundensatz??

Die gegenwärtige Vielfalt an Leistungen im Text- und Designbereich erschweren eine allgemeine Kostentransparenz. Die Unterschiede in Qualifikation, Spezialisierung, Ideenreichtum, Erfahrung, Leistungsbereitschaft und Arbeitsweise sind extrem unterschiedlich. Mangels allgemeiner Definitionen und fehlenden Standards sind keine objektiven Vergleiche möglich. Die Spanne reicht vom Amateur, der für 0,- bis 40,- €/Stunde gelegentlich als pseudoselbständiger Freelancer tätig ist  bis zum weltweit renommierten Fotografen, der für 80.000 €/Tag arbeitet.

Ein seriöser Freiberufler muss seinen Mindest-Stundensatz kaufmännisch errechnen. Um sein Einkommen zu verdienen, bleibt nicht viel Zeit:
Das Jahr hat 365 Tage, abzüglich 111 Tage für Wochenenden und Feiertage ergeben sich 254 Arbeitstage. Wenn man noch pauschal 25 Urlaubstage und 15 Krankheits- und Schulungstage (statistische Mittelwerte) abzieht, bleiben 214 Tage zum Geldverdienen.
Das entspricht 1712 Arbeitsstunden.
Kein Selbständiger kann zu 100 Prozent an bezahlten Aufträgen arbeiten. Man rechnet mit etwa 40 Prozent an unbezahlter Arbeit, wie Kontakte pflegen, Vorgespräche führen, Angebote kalkulieren, Rechnungen schreiben, Buchhaltung machen, Eigenwerbung gestalten, Weiterbildung, Seminare, die Website pflegen, etc.
Bleiben 1027 Arbeitsstunden.
In dieser Zeit müssen nicht nur das eigene Einkommen sondern auch alle Betriebskosten erwirtschaftet werden. Das sind Büromiete, Inventar, Materialaufwand, technische Ausstattung, Spezial-Software, Fachbücher, Fahrzeugkosten etc. sowie Berufshaftpflicht- und Berufsrechtschutz-, Kranken-, Pflege-, Renten-, Lebens- und Krankentagegeld-Versicherung. Dazu kommen die Ausgaben für Weiterbildung, Lohnfortzahlung und Rücklagen für Anschaffungen.
Ergo: erst wenn der tatsächliche Stundensatz real über 80 € liegt, bewegt man sich als Freiberufler auf dem Boden der unternehmerischen Tatsachen.

Wir kalkulieren individuell und projektorientiert. Für Stammkunden gibt es Sonderpreise.

 

 

Ich verstehe die Rechnung nicht, was soll das mit den Nutzungsrechten?

Das Urheberrecht betrachtet die Schaffung von Texten und gestalterischen Werken nicht nur als Dienstleistung, sondern auch als eine persönliche, geistige Schöpfung, weswegen sich die Gesamtvergütung in eine Vergütung für Entwurfsarbeiten (Werkvertrag) plus Vergütung für Nutzungsrechteinräumung (Lizenzvertrag) aufteilt.

Durch eine individuelle Nutzungsrechtvergabe wird die Gerechtigkeit hergestellt, dass der Bäcker um die Ecke nicht das selbe für ein Logo zahlen muss wie ein weltweit operierender Konzern. Jeder zahlt nur für das, was er braucht.

Im Detail gliedert sich eine Rechnung folgendermaßen:

1. Vergütung für die Schreib- oder Entwurfsarbeit, entweder nach Kostenvoranschlag pauschal oder nach Aufwand.
Beispiel: sechs Stunden Einarbeiten, Ideensammlung, Skizzen und Zeichnung eines Logos mit zwei Entwürfen zur Auswahl als Ergebnis = 480,- €

2. Vergütung für die Nutzungsrechteinräumung (entfällt, wenn der Text oder Entwurf nicht genutzt werden soll) laut Vergütungstarifvertrag der Allianz deutscher Designer (AGD).
Beispiel 1: Bäcker Schmitz möchte das Logo erst mal nur für ein Jahr als Firmenschild über seiner Bäckerei nutzen:
Nutzungsart (einfach oder ausschließlich) = einfach = Faktor 0,2
+ Nutzungsgebiet (räumlich) = regional = Faktor 0,1
+ Nutzungsdauer (zeitlich) = 1 Jahr = Faktor 0,1
+ Nutzungsumfang (inhaltlich) = gering = Faktor 0,1
ergibt einen Gesamtnutzungsfaktor 0,5   x Entwurfsvergütung von 480,- €

= 240,- € für die Nutzung (Lizenz)

Beispiel 2: IT-Unternehmen Müller GmbH möchte das Logo exklusiv für ihre europaweit genutzte Software einsetzen, für Marketing, Werbung, Messen:
Nutzungsart (einfach oder ausschließlich) = ausschließlich = Faktor 1,0

+ Nutzungsgebiet (räumlich) = europaweit = Faktor 1,0

+ Nutzungsdauer (zeitlich) = 10 Jahre = Faktor 0,5

+ Nutzungsumfang (inhaltlich) = groß = Faktor 0,7

ergibt einen Gesamtnutzungsfaktor 3,2   x Entwurfsvergütung von 480,- €

= 1.536,- € für die Nutzung (Lizenz)

Beispiel 3: Softdrink-Hersteller Meyer Company möchte das Logo weltweit für Merchandising-Zwecke einsetzen:
Nutzungsart (einfach oder ausschließlich) = ausschließlich = Faktor 1,0

+ Nutzungsgebiet (räumlich) = weltweit = Faktor 2,5

+ Nutzungsdauer (zeitlich) = unbegrenzt = Faktor 1,5

+ Nutzungsumfang (inhaltlich) = umfangreich = Faktor 1,0

ergibt einen Gesamtnutzungsfaktor 6,0 x Entwurfsvergütung von 480,- €

= 2.880,- € für die Nutzung (Lizenz)

(Die Nutzungsrechte müssen nicht als einzelner Posten ausgewiesen werde. Wenn aber im Angebot bzw. auf der Rechnung keine Nutzungsrecht-Übertragung formuliert ist, kann nicht stillschweigend davon ausgegangen werden, dass eine erfolgt ist und der Entwurf darf dann nicht genutzt werden.
Bei uns bleiben keine rechtlichen Fragen offen und jeder Auftraggeber ist immer auf der sicheren Seite.)

3. Vergütung für weitere Leistungen wie Beratung, Schulungen etc. nach Aufwand.
Beispiel: 1,5 Stunden Beratung à 80,-€     = 120,- €

4. Vergütung für externe Kosten wie Lizenzen für Fotos, Schriften, Software-Templates etc. nach Bedarf. Alles, was direkt für den Kreationssprozess benötigt wird, kann nach Absprache in bestimmten Fällen im Voraus ausgelegt werden.
Beispiel: eine spezielle Schrift, freie Lizenz, 20,- € netto     = 20,- €

Beispiel Summe netto für den Bäcker:  860,-
Beispiel Summe netto für das IT-Unternehmen: 2.156,-
Beispiel Summe netto für den Softdrink-Hersteller: 3.500,-
(Beispiel hinkt etwas, da bei größeren Aufträgen auch mehr Stunden Arbeitszeit anfallen.)

5. zzgl. Mehrwertsteuer von 7% für urheberrechtliche Leistungen und 19% für sonstige Leistungen.

 

 

 

Wieso soll ich meine Druckkosten selber zahlen – machen Sie das denn nicht?

Als Freiberufler agieren wir flexibel, individuell, mit einem Netzwerk aus Spezialisten und ohne großen Kosten- und Verwaltungsaufwand wie Agenturen. So kann sich jeder Auftraggeber sicher sein, nur für das zu bezahlen, was er auch wirklich benötigt.
 Werbeagenturen erhalten von Lieferanten (wie Druckereien) oftmals 10 bis 25 Prozent Vermittlungsprovision, die vom Auftraggeber indirekt finanziert wird. Freiberuflern ohne Gewerbe ist dies nicht nur verboten, sondern es entspricht auch nicht unserem Anspruch an Transparenz und Kundenorientierung. Wir legen alle Kosten im Original offen, sie laufen alle direkt auf den Namen des Auftraggebers. Fair und persönlich.